Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein bürgerlicher Bezirk. In der Kaufkraft liegt man hinter dem Südwesten an zweiter Stelle. Die Mieten steigen zwar, aber man kann sie sich leisten, wenn man nicht sowieso Wohneigentümer ist. Der Bildungsstand ist hoch. Es gibt zwei Universitäten, ein Dutzend Gymnasien, Europaschulen, die Musikschule. Man lebt kultiviert, geht ins Theater oder in die Oper. Von ersteren droht denen am Ku'damm die Schließung, die Tribüne ist schon zu, dafür gastiert die Staatsoper demnächst im Schiller-Theater. Das Angebot bleibt vielfältig: Jeden Sonntag Vernissagen in einer der zahlreichen Galerien, Nofretete ist zwar schon nach Mitte gezogen, aber die Surrealisten haben in der Schloßstraße ihren Platz eingenommen, gegenüber wollen sich die jungen Berggruens um die Ecke ausdehnen, wenn ihnen nicht das Geld in der Krise ausgeht. Die Orangerie verliert die Vor- und Frühgeschichte ans neue Museum, was soll's. Die Parkbenutzung bleibt entgeltfrei, die Parkraumbewirtschaftung wird nicht ausgedehnt, der Bürgerentscheid dagegen war erfolgreich. Worüber sollen sich die Bürger sonst noch aufregen?